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Plattdeutsche Geschichten
Sabine Schierholz und Ernst Meier

zurück zur Übersicht 2008

De Wüinpreobe   4.10.08

Er gifft velle Luie, de häbben eunen grauten Gorn´n eoder eune Eobstwiesen. Iut den Eobst kann man nich blauß Sapp un Kokeobst maken, mänjer maket doriut auk Wüin. Doför briukt man örstmol eune ganße Menge Geschirr un Krams un seo eune Eobstpressen ess ja auk nich billig. Öber wänn man de Eobstpressen, Wüinballons, Cherupsätze un de vellen Kleundeile örstmal teohaupe hät, dänn briuket man blauß nau Eobst, Gest un Geduld un do kann man ja teo kommen.

Auk eun paar Frünne iut Schwalenberg hät jeudet Johr ühre eugenen Eobstwüine maket. De Beuden konn dat geot un dorümme sind seu nich blauß met den eunfachen Orten teofrie wesen, sunner seu hät jümmer mol wat Nüjjet iutprobört. Wänn de Wüin dänn ferg was, hät seu sick met Frünnen teor Wüinpreobe dreppen. Do word upn Disk brocht, wat in Ballons un Butteljen rüip was un jeuder hät teo den jungen un aulen Wüinen süinen Meunung kund deon. Wehrend wüi asseo an´n Kückendisk setten un den Wüin probört hät, hät sick de Hiusfriu Karin ümme dat Eten kümmert un blauß büiher mol wat teo den Gespreik büidrejen. De Kerls an´n Disk (un eck auk) hät öwwer de Wüine kürt. Eune Sorte word inschenkt, jeuder namm eunen Schluck un dänn gink dat laus. De eune see: „Fruchtig mit gutem Körper.“ De annere hät froget: „Öber ess nich de Affgang seon bettken grell?“ De naichste gifft seune Meunung doteo: „Nee, dat Tiug kann man ja nich drinken“! Seo gink dat velle Wüine lang un Karin hät sick de Saaperrüjje still anhort. No euner Wüile kamm et teo müi an´n Disk, twinkerte müi teo un see: „Sabine, loff den Kerls keun Weort.De siupen ollet iut, wat seu schwüimelg maket.“

Die Weinprobe

Es gibt viele leute, die haben einen großen Garten oder eine Obstwiese. Aus dem Obst kann man nicht nur Saft und Kochobst machen, mancher macht daraus auch Wein. Dazu braucht man erst mal eine ganze Menge Geschirr und Kram und so eine Obstpresse ist ja auch nicht billig. Aber wenn man die Obstpresse, Weinballons, Gäraufsätze und die vioelen Kleinteile erst mal zusammen hat, dann braucht man nur noch Obst, Hefe und Geduld und das kann man ja wohl bekommen.

Auch ein paar Freunde aus Schwalenberg haben jedes Jahr ihre eigenen Obstweine gemacht. Die beiden konnten das gut und darum sind sie nicht nur mit den einfachen Arten zufrieden gewesen, sondern sie haben immer mal was Neues ausprobiert. Wenn der Wein dann fertig war, haben sie sich mit Freunden zur Weinprobe getroffen. Da wurde auf den Tisch gebracht, was in Ballons und Flaschen reif war und jeder hat zu den jungen und alten Weinen seine Meinung kund getan. Während wir also am Küchentisch saßen und den Wein probierten, hat sich die Hausfrau Karin um das Essen gekümmert und nur nebenbei mal etwas zum Gespräch beigetragen. Die Männer am Tisch (und ich auch) haben über die Weine geredet. Eine Sorte wurde eingeschenkt, jeder nahm einen Schluck und dann ging das los. Der eine sagte: „Fruchtig mit gutem Körper.“ Der andere fragte: „Aber ist nicht der Abgang ein bisschen trocken?“ Der nächste gibt seine Meinung dazu: „nein, das Zeug kann man ja nicht trinken!“ So ging das viele Weine lang und Karin hat sich das Geschwätz still angehört. Nach einer Weile kam sie dann zu mir an den Tisch, zwinkerte mir zu und sagte: „Sabine, glaub den Männern kein Wort. Die saufen alles aus, was sie Schwindlig macht.“