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Plattdeutsche Geschichten
Sabine Schierholz und Ernst Meier

zur├╝ck zur ├ťbersicht 2008

De verlorne Ring       31.05.08

V├Âr Johrn, os de Biuer Karl un s├╝ine Erika fr├╝jjet h├Ąt, h├Ąt Karl f├Âr s├╝ine Briut eunen sch├Ânen Ring teor Hocht├╝it kaupt. Et was ├Ârst eun paar Wecken no ├╝hrer Hocht├╝it, os Erika eunet Dages no den Meddageten m├Ąrkt h├Ąt, dat ├╝hr Ehering weege was. Dob├╝i ess et doch up den sch├Ânen gollen Ehering seo stolt wesen un h├Ąt j├╝mmer d├╝ht dorup uppa├čt. W├╝il et ├Ąnne schaunen woll hadde et den Ring afmaket, os et f├Ârt Meddageten de Katuffn schillt un dat Gemoise putzt h├Ąt un niu was dat geoe St├╝ck weege. ├ťhr Karl h├Ąt auk gl├╝ick h├╝lpen un de beuden h├Ąt ├Âwwerall in de K├╝cken nok├╝iken, wo de Ring wall s├╝in konn: v├Ârn un innen K├╝ckenschapp, unnern Disk, in┬┤n Sp├╝lsteun un unner den Zeitungen. H├Ąt ├Âber ollet nicks hulpen, de Ring was weege. Un Erika schwaane auk, was pass├Ârt was. Et h├Ąt den Ring upn Disk l├Ącht un heu ess twisken de Katuffelschilln un de Gemoisereste geroon. Un wo dat upn Howe seo maket w├Ąrt, et h├Ąt dat Gruttuig no biuten up de M├Ąsskiulen brocht. Asseo h├Ąt Karl auk uper M├Ąsskiuhlen soiket. Dat hat ├Âber auk keunen Sinn maket, de Ring bleiw verschwunden. Erika was schliepstertsk, ├Âber do was nicks mahr teo maken.

B├╝ino f├╝imtwintig Johre leter, blau├č eune Wecken f├Âr de S├╝lwerhocht├╝it, h├Ąt Karl dat graute Feild anner Emmer eujjet. Os heu ferg was un naumol ├Âwwer den Acker kecken h├Ąt, sach heu wat in de Sunnen blinkern. Heu gink dohen un do lagg de Erika ├╝hr Ehering upn Feild, den seu v├Âr Johrn vergiebens soiket h├Ąt. Heu was met den M├Ąss upn Acker fohrn worn un niu was heu no seo langer T├╝it wier updiuket. Un seo konn Karl s├╝iner Erika den Ring teor S├╝lwerhocht├╝it teon tweuten Mol an┬┤n Finger stecken.

Der verlorene Ring

Vor Jahren, als der Bauer Karl und seine Frau Erika geheiratet haben, hat Karl f├╝r seine Braut einen sch├Ânen Ring zur Hochzeit gekauft. Es war erst ein paar Wochen nach ihrer Hochzeit, als Erika eines Tages nach dem Mittagessen gemerkt hat, dass ihr Ehering weg war. Dabei ist sie doch auf den sch├Ânen goldenen Ehering so stolz gewesen und hat immer sehr darauf aufgepasst. Weil sie ihn schonen wollte hatte sie den Ring abgemacht, als sie f├╝r das Mittagessen die Kartoffeln gesch├Ąlt und das Gem├╝se geputzt hat und nun war das gute St├╝ck weg. Ihr Karl hat auch gleich geholfen und die beiden haben ├╝berall in der K├╝che nachgeschaut, wo der Ring wohl sein konnte: vor und im K├╝chenschrank, unterm Tisch, im Sp├╝lstein und unter den Zeitungen. Hat aber alles nichts geholfen, der Ring war weg. Und Erika ahnte auch, was passiert war. Sie hat den Ring auf den Tisch gelegt und er ist zwischen die Kartoffelschalen und die Gem├╝sereste geraten. Und wie das auf dem Hofe so gemacht wurde, sie hat das Gr├╝nzeug nach drau├čen auf die Mistkuhle gebracht. Also hat Karl auch auf der Mistkuhle gesucht. Das hat aber auch keinen Sinn gemacht, der Ring blieb verschwunden. Erika war traurig, aber da war nichts mehr zu machen.

Beinahe 25 Jahre sp├Ąter, nur eine Woche vor der Silberjochzeit, hat Karl das gro├če Feld an der Emmer geeggt. Als er fertig war und noch mal ├╝ber den Acker geschaut hat, sah er was in der Sonne blinken. Er ging dahin und da lag Erikas Ring auf dem Feld, den sie vor Jahren vergebens gesucht hatten. Er war mit dem Mist auf den Acker gefahren worden und nun war er nach so langer Zeit wieder aufgetaucht. Uns so kann Karl seiner Frau den Ring zur Silberhochzeit zum zweiten Male an den Finger stecken.