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Plattdeutsche Geschichten
Sabine Schierholz und Ernst Meier

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Starthülpe fört Auto                19.01.08

 In´n Januar för eunigen Johrn sind müin Fründ un eck an eunen Sunndagmorn no Rheda fohrn. Do sind wüi henfohrn, wüil et do schöne Fackwärkhiuser gifft un de hät wüi us ankeken wolln. Velle Hiuser sind iut de Weserrenaissance eoder nau auler. Et lauhnt sick asseo, dür de Aultstadt van Rheda teo spazörn un de Fassaden met den prachtvullen Schnitzarüjjen teo bewunnern. Vell was an düssen Sunndag nich laus, öber eun paar Luie sind doch ünnerweges wesen.

Niu was et in düssen Januar züimlik kault. Et gaff vell Schneu und up den Stroten was et faken glatt. Os wüi teo den Parkplatz in Rheda trüjje keumen, wo wüi iuser Auto stohn hadden, woll gerode eune Dame met jühren BMW wägfohrn. Seu kamm öber nich truijjeees iut de Parkbucht, wüil dat Ploster glatt was. Müin Fründ was seo butz teor Stie, ümm de Dame teo helpen. Heu hät sick fört Auto stellt un et anschoben. Os eck begreppen hät, was heu do döö häbbe eck büin schuiben hulpen. Es hät eune Wüile dauert un wüi moßten us ansträngen, öber no eunigen Versoiken hät et de Dame henkriegen, dat Auto iut de Parkbucht hariut teo bugsiern. Os et up de Stroten stund, hät de Friu das Autofenster harunnerkurbelt un sick teo us hariutlihnt. Ollerdingens hät et nich „eck söjje vellmols Dank“ eoder auk blauß „geon Dag“ sächt. Et see: „Ich habe kein Geld dabei, ich bin auf dem Weg zur Kirche.“ Dänn hät et dat Fenster wier teomaket un ess lausfohrn. Eck was sproklaus öwwer düsset Benihmens öber müin Fründ hät fix schaltet un achter den Auto met de schniutsken  Friu herreopen: „Un wat es met den Grössens för den Klingelbuil?“ Eune Antweort hät heu nich mahr kriegen.

 

Starthilfe fürs Auto

 Im Januar vor einigen Jahren sind mein Freund und ich an einem Sonntagmorgen nach Rheda gefahren. Da sind wir hingefahren, weil es da schöne Fachwerkhäuser gibt und die wollten wir uns angucken. Viele Häuser sind aus der Weserrenaissance oder noch älter. Es lohnt sich also, durch die Altstadt von Rheda zu spazieren und die Fassaden mit den prachtvollen Schnitzereien zu bewundern. Viel war diesen Sonntag nicht los, aber ein paar Leute sind doch unterwegs gewesen.

 Nun war es in diesem Januar ziemlich kalt. Es gab viel Schnee und auf den Straßen war es sehr glatt. Als wir zu dem Parkplatz in Rheda zurückkamen, wo wir unser Auto stehen hatten, wollte gerade eine Dame mit ihrem BMW wegfahren. Sie kam aber nicht rückwärts aus der Parkbucht, weil das Pflaster glatt war. Mein Freund war sofort zur Stelle, um der Dame zu helfen. Er hat sich vor das Auto gestellt und es angeschoben. Als ich begriffen hatte, was er da tut, habe ich ihm beim Schieben geholfen. Es hat eine Weile gedauert und wir mussten uns anstrengen, aber nach einigen Versuchen hat es die Dame hingekriegt, das Auto aus der Parkbucht heraus zu bugsieren. Als es auf der Straße stand, hat die Frau das Autofenster heruntergekurbelt und sich zu uns herausgelehnt. Allerdings hat sie nicht „ich sage vielmals Dank“ oder auch bloß „guten Tag“ gesagt. Sie sagte: „ich habe kein Geld dabei, ich bin auf dem Weg zur Kirche.“ Dann hat sie das Fenster wieder zugemacht und ist losgefahren. Ich war sprachlos über dieses Benehmen, aber mein Freund hat schnell geschaltet und hinter dem Auto mit der unhöflichen Frau hinterhergerufen: „Und was ist mit den Groschen für den Klingelbeutel?“ Eine Antwort hat er nicht mehr bekommen.