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Plattdeutsche Geschichten
Sabine Schierholz und Ernst Meier

zurück zur Übersicht 2008

Sparsomkeut eoder Güiz?  7.06.08

 Öwwer de Lipper ühre Instellung deon leuwen Geld sind ol ganße Beoker schrieben worn un et gifft ja velle Luie de meunen, dat de Lipper güizig sind.. Öber dat stimmt seo nich: de Lipper sind sporsom un eun iutglieken Verhältnis teon Geld ess ja keun Feuhler. Sparsomkeut hät wall jümmer teon lippsken Gemoite hort un in Deppelt word 1786, vör öwwer 220 Johrn, de örste Sparkasse in Duitskland grünnet. De meusten Luie sind frohr düht arm wesen un dorümme sind seu auk in ollen Dingen hegetsom wesen; seu hadden ja nicks teoteosetten. Met den Pänje fink dat Sparn an. Da gaff et de Sprickweorter: „Eun Pänning es nich vell, öber et könnter Grössens un Dalers van wern“ un „De Pänning well´n Breoer häbben“. Wörn örst mol Grössens inner Spardeose dänn sach de Welt ol anners iut un man konn Pläne maken: „Wer versteut, de Grössens teo Dalers teo maken, de kann an Geld kumen.“ Doteo moßte man dat Geld öber teohaupehaulen, dänn: „Van´n Geldiutgieben ess nau nemmet ruike worn.“ Öber de Sparsomkeut hät auk ühre Grenzen hat un wat seon richtigen aulen Güizhals was, den hät de Luie ornlik stichelt, dänn Güiz gull os Undiugend. Vör schlemme Grüttenteller („Grützezähler“ = Geizhalz) gaff et auk beuse Sprüche: „De Kerl gifft cherne, bleoß tweu mött´n haulen, de drüdde nimmt´n dat Geld iuter Tasken un denn bölkt heu nau ossen Pöttker“ eoder „De lött sick förn Pennk un ´n Schluck eun Lock dürt Schienbeun bohrn, wenn heu auk förn Daler Puine hät“. Doch eunet Dages ess auk vörn gröttsten Güizhals ollet vorbüi un süine Erwen froijjen sick: „Mänje Gnatzhammel soll man wieten, wo et suinen Dalers geuht no suinen Daue“.

Sparsamkeit oder Geiz?

 Über die Lipper ihre Einstellung zum lieben Geld sind schon ganze Bücher geschrieben worden und es gibt ja viele Leute, die meinen, dass die Lipper geizig sind. Aber das stimmt so nicht: die Lipper sind sparsam und ein ausgeglichenes Verhältnis zum Geld ist ja kein Fehler. Sparsamkeit hat wohl immer zum lippischen Gemüt gehört. Und in Detmold wurde 1786, vor über 220 Jahren, die erste Sparkasse in Deutschland gegründet. Die meisten Leute sind früher sehr arm gewesen und darum sind sie auch in allen Dingen hegsam gewesen: sie hatten ja nichts zuzusetzen. Mit dem Pfennig fing das Sparen an. Da gab es die Sprichwörter: „Ein Pfennig ist nicht viel, aber es können Groschen und Taler von werden“ und „Der Pfennig will einen Bruder haben“. Waren erst mal Groschen in der Spardose, dann sah die Welt schon anders aus und man konnte Pläne machen: „Wer es versteht, die Groschen zu Talern zu machen, der kann an Geld kommen.“ Dazu musste man das Geld aber zusammenhalten, denn: „Vom Geldausgeben ist noch keiner reich geworden.“ Aber die Sparsamkeit hat auch ihre Grenzen gehabt und was ein richtiger alter Geizhals war, den haben die Leute ordentlich gestichelt, denn Geiz galt als Untugend. Für schlimme Grützenzähler gab es auch böse Sprüche: „Der Kerl gibt gerne, bloß zwei müssen ihn halten, der dritte nimmt ihm das Geld aus der Tasche und dann schreit er noch wie ein Töpfer“ oder „Der lässt sich für einen Pfennig und einen Schnaps ein Loch durchs Schienenbein bohren, wenn er auch für einen Taler Schmerzen hat“. Doch eines Tages ist auch für den größten Geizhals alles vorbei und seine Erben freuen sich: „Mancher Geizhammel sollte mal wissen, wie es seinen Talern nach seinem Tode geht“.