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Plattdeutsche Geschichten
Sabine Schierholz und Ernst Meier

zurück zur Übersicht 2008

De Berken os Meubaum   24.05.08

 Wänn man in Barntrup teon Kinnerdörp fährt, kommt man an euner Ruijje köppter Berken vörbüi. Frohr gaff et düsse Koppberken ollerwegen, wüil man iut den Berkenbraken Bessen bunn´n hät. Dorümme wärt de Baum, de up hauchdiutsk „Hängebirke“ hesst, up platt auk Bessenberken noimt. Et gifft nau annere Saken, vör de man Berken briuken kann. Ol inner Steuntüit word dat Berkenpeck os Klüister nüttet un iut Berkenbast sind Pötte, Körwe un Dackschindeln maket worn. Wüil in den Bast dat Berkenpeck inne es, kann man de Bast auk teohaupedrajjet un eune Fackel doriut maken. Iuterden word mänjerorts up den witten Bast schrieben anstie Pergament oeder Papür. Iut den Berkenwater, dat inner Frohtüit aulen Berken afftappt word, word Berkenchampagner maket. Vandage nau briuket man junge Berken os Schmuck fört Schützenfest, wüil dat geot iutseuht. Teo seo euner jungen Berken word frohr auk Meujen sächt un de jungen Kerls hät in der Pingstnacht eunen Meujen iut den Holte haalen un eunen Luit unner dat Kammerfenster stellt. Van süinen Meken hät de Kerl doför eunen Schluck eoder eunen Soiten kriegen (annen Besten beudet). Mänjer Kerl moßte wüit laupen, ümme süinen Meken den Meubaum unnert Fenster teo stelln. Eun auler Tichler iut Bremke hät met Ajust Meier-Böke sproken un änne vertellt: „Dat was de Spoß wall wert, denn ganß ümmesüß häw wui dat natürlik nich dohn.“ Wänn met eunen Meken nich vell laus was, wänn et eun „Ollerweltslottchen“ was, dänn ess änne de „Dreigen Prülle“, droijje Braken eoder eune Stangen met eunen Strauhwisk unnet Fenster stellt worn. Dat was för dat Meken schanierlik und de annern Meken hät lacht.

Die Birke als Maibaum

Wenn man in Barntrup zum Kinderdorf fährt, kommt man an einer Reihe geköpfter Birken vorbei. Früher gab es diese Kopfbirken überall, weil man aus den Birkenzweigen Besen gebunden hatte. Darum Wurde der Baum, der auf hochdeutsch „Hängebirke“ heißt, auf platt auch Besenbirke genannt. Es gibt nun andere Sachen, für die man Birken bebrauchen kann. Schon in der Steinzeit wurde das Birkenpech als Kleister genutzt und aus Birkenbast sind Töpfe, Körbe und Dachschindeln gemacht worden. Weil in dem Bast das Birkenpech drin ist, kann man den Bast auch zusammendrehen und eine Fackel daraus machen. Außerdem wurde mancherorts auf den weißen Bast geschrieben anstelle von Pergament oder Papier. Aus dem Birkenwasser. das im Frühjahr alten Birken abgezapft wurde, wurde Birkenchampagner gemacht. Heute noch braucht man junge Birken als Schmuck fürs Schützenfest, weil das gut aussieht. Zu so einer jungen Birke wurde früher auch „Meujen“ gesagt und die jungen Männer haben in der Pfingstnacht eine „Meujen“ aus dem Wald geholt und ihrem Mädchen unter das Zimmerfenster gestellt. Von seinem Mädchen hat der Mann dafür einen Schluck oder einen Süßen bekommen (am besten beides). Mancher Mann musste weit laufen, um seinem Mädchen den Maibaum unter das Fenster zu stellen. Ein alter Ziegler aus Bremke hat mit August Meier-Böke gesprochen und ihm erzählt: „Das war der Spaß wohl wert, denn ganz umsonst haben wir das natürlich nicht gemacht.“ Wenn mit einem Mädchen nicht viel los war, wenn es ein „Allerweltslottchen“ war, dann wurde ihr die „Dreigen Prülle“, trockene Büschel oder eine Stange mit einem Strohwisch unters Fenster gestellt. Das war für das Mädchen peinlich und die anderen Mädchen haben gelacht.