Startseite

Noch mehr Lippisch Platt gibt es hier:

Plattdeutsches
Wörterbuch


Gedichte

Lieder

Geschichten

Lippske-Leuer

Plattdeutsche Links

Impressum














 

              
Plattdeutsche Geschichten
Sabine Schierholz und Ernst Meier

zurück zur Übersicht 2008

De Biuer un süin Veuh    2.08.08

 Up süin Veuh was de lippske Biuer stolt. Wänn an´n Sunndag Besoik up den Hof kamm, dänn word de auk in den Stall führt, domet heu dat schöne Veuh beküiken un et beschwoigen kann. Besunners de Peere sind den Biuer süin ganßer Stolt wesen un ümme de Tiere word jümmer vell Aufhiebens maket. Dat gink ol büin Kaup laus. Wilbosen was de gröttste Peermarkt in´n Lippsken un do gink et jümmer hauch her, wänn eun Peerd kaupt word. Dovör gaff et dat Sprickweort: „Buin Peerhannel geuht et faken schlemmer teo os buin Peerstehlen.“ Jeuder hät süinen Giul prohlt. Hät heu dänn schlächte Peere vörn Waan hat un jeuder konn sick sümst eun Bild maken, dänn word stichelt: „Duine Peere hät wall ´ne schlächte Nacht hat, wenn seu jistern seo geot wesen sind.“ Jeuder wusste, dat man teon geoen Peerd auk geot süin mott, dänn „eun willig Peerd mott´n nich teo haste andruiwen“, wüil „seo os man de Peere wöhnt, seo goht seu auk.“ De Peere wörn wertvull un et et was eun grautet Unglück, wänn den Tieren wat teosteuten ess. Do gaff et nich blauß in´n Lippsken, sunnern auk in Westfalen dat Sprickweort: „Auler Frubben sterwen ess keun Verderwen, öbber Peerverrecken, dat essen Schrecken.“

In den Riedenorten un Sprickweortern hät man de Minsken faken met den Tieren in´n Stall verglichen. Öber eunen bockbeunsken Kerl word sächt: „Heu es sei diunig os eun Osse.“ Un van eunen, de twors üiwerg öbber ungeschickt ess, see man: „Wat helpet et, wenn de Keoh eunen Eumer vull Melk gift un stött en ümme.“ Un de güizige Biuer hät wat met süinen Ossen gemeun: „Biuern un Ossen draff man nich an´n Buil packen, süss schloet seu iut.“

Der Bauer und sein Vieh

Auf sein Vieh war der lippische Bauer stolz. Wenn am Sonntag Besuch auf den Hof kam, dann wurde der auch in den Stall geführt, damit er das schöne Vieh begucken und bewundern konnte. Besonders die Pferde waren der ganze Stolz des Bauern und um die Tiere wurde immer viel Aufhebens gemacht. Das ging schon beim kauf los. Wilbasen war der größte Pferdemarkt in Lippe und da ging es immer hoch her, wenn ein Pferd gekauft wurde. Dafür gab es das Sprichwort: „Beim Pferdehandel geht es oft schlimmer zu als beim Pferdestehlen.“ Jeder prahlte seine Gaul. Hatte er dann schlechte Pferde vorm Wagen und konnte sich jeder selbst ein Bild machen, dann wurde gestichelt: „Deine Pferde haben wohl eine schlechte Nacht gehabt, wenn sie gestern so gut waren.“ Jeder wusste, dass man zu einem guten Pferd auch gut sein musste, denn „ein williges Pferd musste nicht so schnell angetrieben werden“, weil „so wie man die Pferde behandelt, so gehen sie auch“. Die Pferde waren wertvoll und es war ein großes Unglück, wenn den Tieren was zugestoßen war. Da gab es nicht nur im Lippischen, sonder auch in Westfalen das Sprichwort: „Das Sterben alter Frauen ist kein Verderben, aber Pferdeverrecken, das ist ein Schrecken“.

In den Redensarten und Sprichwörtern hat man die Menschen oft mit den Tieren im Stall verglichen. Über einen starrsinnigen Mann wurde gesagt: „Er ist so eigensinnig wie ein Ochse“. Und von einem, der zwar fleißig aber ungeschickt ist, sagte man: „Was hilft es, wenn die Kuh einen Eimer Milch gibt und ihn umstößt“. Und der geizige Bauer hat etwas mit seine Ochsen gemeinsam: “Bauern und Ochsen darf man nicht an den Beutel fassen, sonst schlagen sie aus“.